Prora ist ein Ortsteil der Gemeinde Binz auf Rügen und liegt direkt an der Ostseeküste im Zentrum der Prorer Wiek Er ging aus dem zwischen 1936 und 1939 gebauten, jedoch unvollendet gebliebenen KdF-Seebad Rügen hervor.

 

Im Komplex sollten durch die Organisation Kraft durch Freude (KdF) 20.000 Menschen gleichzeitig Urlaub machen können.

 

In Prora sollte sich der deutsche Arbeiter zu günstigen Preisen erholen und neue Kraft tanken. Der Auftrag zur Errichrung des Seebades wurde nach einer Ausschreibung im Februar 1936 an den Architekten Clemens Klotz (1886-1969) erteilt (wikipedia).

 

Jeder der acht Blöcke - ursprünglich waren sogar neun geplant - ist 550 Meter lang und verfügt über sechs Stockwerke. 10.000 Zimmer sollten am Ende fertiggestellt sein. Die geplante Ausstattung der nur 2,5 mal 5 Meter großen Zimmer ist - gemessen an heutigen Maßstäben - sehr einfach gehalten: zwei Betten, eine Sitzecke, ein Schrank und ein Waschbecken. Sanitäre Einrichtungen befinden sich in den Treppenhäusern der Blocks. Aufgrund der langgezogenen Bauweise bekam jedes Zimmer Meerblick. Die Kosten für das Projekt wurden damals auf etwa 237 Millionen Reichsmark taxiert, die heute rund 850 Millionen Euro entsprächen. Der Gesamtentwurf wurde auf der Weltausstellung in Paris 1937 sogar mit dem Grand Prix ausgezeichnet (NDR).

 

Die für das Seebad Rügen benötigten Flächen wurden durch die KdF-Organisation bereits 1935 von Malte zu Putbus erworben. Die Grundsteinlegung erfolgte am 2. Mai 1936, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Ausschreibung für das Bauvorhaben noch lief. Der Termin war aber bewusst so früh gewählt worden, weil es sich um den symbolträchtigen dritten Jahrestag der Gewerkschaftszerschlagung handelte. Die eigentlichen Arbeiten begannen erst ein halbes Jahr später. In den drei Jahren zwischen 1936 und 1939 wurden die acht Gästeblöcke errichtet. Neun renommierte Baufirmen (Philipp Holzmann, Hochtief, Dyckerhoff & Widmann, Siemens-Bauunion, Boswau & Knauer, DEUBAU, Sager & Woerner, Polensky & Zöllner, Beton- und Monierbau) waren an den Bauarbeiten beteiligt. Es arbeiteten zeitweise 9000 Bauarbeiter am KdF-Seebad Rügen. Außer der Firma Sager & Woerner (Bau der Kaianlage) errichteten alle anderen beteiligten Baufirmen jeweils einen Block, es entwickelte sich dabei eine Art Wettbewerb um die schnellste Bauleistung.

 

Bei Kriegsbeginn 1939 wurden die Bauarbeiten weitgehend gestoppt. Mit Ausnahme eines Blocks waren die acht Wohnblöcke, die südliche Festplatzrandbebauung und die Kaianlage bereits im Rohbau fertiggestellt, nicht jedoch die Schwimmbäder, die Festhalle und weite Teile der Wirtschaftsgebäude. Sie wurden niemals verwirklicht. An den Rohbauten wurden noch die nötigsten Sicherungsarbeiten durchgeführt, dann wurden die Bautätigkeiten endgültig eingestellt. Das angelieferte Baumaterial verblieb vor Ort, was auf eine geplante Wiederaufnahme der Arbeiten nach Kriegsende schließen lässt. Sie erfolgte wenige Jahre später unter den völlig veränderten Vorzeichen des Kalten Krieges, indem aus den inzwischen weithin demontierten und geplünderten Rohbauten fünf Blöcke zu einer Großkaserne für das DDR-Militär wieder aufgemauert wurden. Diese zweite Bauphase prägte das Antlitz der Großbauten bis zum Jahr 2010, als mit dem Bau einer Jugendherberge damit begonnen wurde, das Seebad zu vollenden.

 

Im Krieg diente ein Teil der späteren Wohnhäuser der Anlage als Ausbildungsstätte für Luftwaffenhelferinnen und ein Polizeibataillon. Die Rohbau-Blöcke des Kolosses an sich blieben unbewohnbar. 1943 wurden Teile des südlichen Blocks ausgebaut, um Ersatzquartiere für im Rahmen der Operation Gomorrha ausgebombte Hamburger zu schaffen. Ab 1944 unterhielt die Wehrmacht in Prora ein kleines Lazarett. Gegen Ende des Krieges fanden auch Flüchtlinge aus den Ostgebieten in Prora eine Bleibe, wiederum zumeist in den späteren Wohnhäusern.

 

Als ab Mai 1945 die Sowjetunion die Kontrolle auf Rügen übernahm, wurde die Anlage zunächst zur Internierung von Grundbesitzern und weiterhin zur Unterbringung on Heimatvertriebenen aus den Ostgebieten genutzt. Teile der Anlagen wurden für den Abtransport als Kriegsreparationen demontiert. Zwischen 1948 und 1953 wurde das Gelände von der Roten Armee genutzt, die den südlichsten Rohbau sprengte und abtrug. An den beiden nördlichsten Häuserblocks wurden ebenfalls massive Sprengungen durchgeführt. Vom vorletzten Block blieb ein Segment, vom letzten Block blieb etwa die Hälfte stark beschädigt stehen. Dieser zeigt zum Teil noch heute den Zustand der Rohbauten vor ihrer Komplettierung zur Kaserne um 1950. Die sowjetische 13. Panzerjäger-Brigade war dort stationiert.

 

Um 1950 begann der Aus- und Umbau weiterer Teile des nunmehr Prora genannten Torsos zu einer der monumentalsten Kasernenanlagen in der DDR. Das unbefugte Betreten des Strandes war streng verboten.

 

Heute ist der „Koloss von Prora“ der Kern des Komplexes: fünf von ursprünglich acht auf einer Länge von etwa 4,5 Kilometern entlang der Küste aneinandergereihte baugleiche Häuserblocks, die zur stalinistischen Großkaserne ausgebaut worden waren, ursprünglich jedoch Gästehäuser werden sollten. In einem der Blöcke befindet sich eine Jugendherberge. Weitere Teile des Bauwerks werden zu Ferienwohnungen bzw. Eigentumswohnungen („Neues Prora“) ausgebaut.

 

Einfluss auf die Bewertung des Ortes im Sinne seiner „doppelten Vergangenheit“ in Bezug auf die Zeit des Nationalsozialismus und in der DDR nahm die Initiative Denk-MAL-Prora ( Wikipedia).